Razzia im Freudenhaus

Franz Frommheld im Puff
Zum Schein ging ich auf die abartigen Angebote der sündhaften Dirnen ein!

Als ich neulich in aller Frühe schwungvoll aus meinem Himmelbett sprang, wusste ich: dies würde ein aufregender Tag werden – ein Tag voller Wahrhaftigkeit und Moral! Es war an der Zeit, der Sexualität einen entscheidenden Faustschlag in den verlotterten Unterleib zu verpassen!

Nachdem ich meine zweistündige Morgenwäsche mit Kernseife und einer drahtigen Pferdebürste vollzogen hatte, hüpfte ich in meinen Kommunionsanzug (frisch gebügelt und mit Lavendelspray veredelt), um mich per Fernsprechgerät in der Bibliothek zu melden, wo ich eine plötzliche Erkrankung vortäuschte. Ich bin Abonnent des „Taunus Anzeigers“, der mir jeden Morgen um fünf in den Briefkasten gesteckt wird. Einmal stellte der Verlag eine alte Frau ein, die es zweimal hintereinander wagte, die Zeitung zu spät einzuwerfen. Ich sorgte dafür, dass die Vettel entlassen wurde – jetzt lebt sie von der Wohlfahrt. Diese Information nur am Rande.

Im Taunus Anzeiger gibt es einen obszönen Anzeigenteil, in welchem Damen des leichten Gewerbes ihre frivolen Dienste feilbieten. Ich rufe die genannten Fernsprech-Nummern oft an, um die Dirnen auf den rechten Weg zu führen. Zum Dank wurde ich oft als „spießiger Saftarsch“, „gehirnkranke Tunte“ und „impotenter Drecksack“ bezeichnet – sowie mit Begriffen, die zu schlimm sind, als das man sie hier erwähnen könnte. Alles in mir schrie nach Rache!

Ich suchte die Adresse eines Etablissements (Frankfurt/M.) heraus und machte mich sogleich auf den Weg. „Lolos Handjob-Salon“ nannte sich der unmoralische Laden. Eine fette Frau öffnete mir, bestimmt sechzig Jahre alt, die Lippen rot herausgeputzt, die Augenlider mit grüner Farbe beschmiert. Einfach widerlich! Ich betrat das düstere, verqualmte Wirtshaus und setzte mich an einen freien Tisch. Zwei weitere  „Gäste“ waren anwesend. Der Ober erschien, und ich bestellte einen alkoholfreien Schnaps.

Dicke Puffmutter
Diese impertinente Person öffnete mir die Tür. Es gelang mir, sie mit einer versteckten Kamera abzulichten.

Ich musste nicht lange warten, bis zwei junge Dirnen auftauchten, mich umgarnten und aufforderten, an einem Gängbäng inkl. Kamm-Schutt teilzunehmen. Das war der Moment, auf den ich gewartet hatte! Ich sprang so heftig auf, dass mein Stuhl umkippte. „HALT!“, brüllte ich. „Keiner bewegt sich von der Stelle. Sie alle sind der Kuppelei und der Zuhälterei überführt!“

Die Gäste, die Dirnen, die Puffmutter und der Ober lachten mich nur aus.

„Euch wird das dumme Gekicher noch vergehen!“, giftete ich. Hurtigen Schrittes erreichte ich den Tresen und damit das Fernsprechgerät. „Kommen Sie schnell in Lolos Handjob-Salon!“, rief ich, nachdem ich die Notrufnummer gewählt hatte. „Sonst geschieht ein Unglück!“

Triumphierend grinsend legte ich wieder auf. Merkwürdigerweise machten die Anwesenden keine Fluchtversuche, so dass ich auf den Einsatz körperlicher Gewalt verzichten konnte. Keine zehn Minuten später erschienen zwei Wachtmeister. Sie fragten, was denn los sei.

„Der spindeldürre Idiot ist durchgedreht, seine Rechnung hat er auch nicht bezahlt. 280 Euro!“, sagte Puffmutter Lolo und zeigte mit ihren Wurstfingern auf mich. „Die Freudenhausbesitzerin spricht wirr“, stellte ich richtig. „Ich habe die Bagage in flagranti ertappt. Diese Damen hier …“ (ich deutete auf die leichten Mädchen) „… wollten mich zur Sexualität verführen.“

Die Polizisten nahmen meine Personalien auf, schoben mich recht unsanft ins Freie und meinten, ich würde vom Staatsanwalt hören. Zufrieden ging ich heim. Vermutlich würden die Sexualtreibenden schon bald zu hohen Haftstrafen verurteilt werden – mein Glaube an das Gute im Menschen war unerschütterlich. Umso mehr staunte ich, als ich einen Strafbefehl über 500 Euro erhielt und auch den Polizeieinsatz bezahlen musste (80 Euro). Letztendlich wurde ich sogar dazu verurteilt, 280 Euro auf das Puffkonto der Madame Lolo zu überweisen. Bestürzt und verbittert stelle ich fest: Unser Staat fördert die Sexualität, statt sie mit aller Macht zu verhindern!

Grinsender Polizist
Das dümmliche Grinsen der Staatsmacht vermochte ich nicht nachzuvollziehen!

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