Unschuldig im Zuchthaus!

Franz Frommheld im Knast
Justizskandal: Franz Frommheld im Gefängnis

Es war an einem schönen Sommertag, als ich mich auf meinen Drahtesel schwang, um ins Grüne zu radeln, wo ich farbenfrohe Blümchen zu pflücken gedachte.

Frau Gudrun hatte mir eigens meinen jägergrünen Sonntags-Blazer aufgebügelt und auch dafür Sorge getragen, dass meine umbrellabraune Krawatte wunderschön anzusehen war. Ich wollte mich an diesem Tag von Büchereibesuchern und anderem Gesindel ablenken, wollte hochanständigen und zutiefst moralischen Gedanken frönen. So fuhr ich mit meinem Fahrrad die Taunus-Schnellstraße entlang, Richtung Oberrheingraben.

Ojemine!, plötzlich wurde ich von einer Unbill heimgesucht! Die Reifen meiner Stützräder verloren drastisch an Luft! Mit letzter Kraft erreichte ich eine Tankstelle, in der man vollautomatisch seine Reifen aufpusten konnte. Plötzlich hörte ich ein hässliches Auflachen: „Deinem Dreirad ist wohl die Luft ausgegangen, Opa?“

Ich blickte in das Gesicht eines Jugendlichen, der gerade sein Automobil auftankte – ein typisches Angebergefährt. Wenn es nach mir ginge, würden alle Kraftdroschken unverzüglich abgeschafft und durch Fiaker ersetzt werden. Ich schenkte dem Dreckbuben keinerlei Aufmerksamkeit, blies meine Fahrradreifen auf und begab mich in die Verkaufsräume der Tankstelle. Dort wollte ich die neueste Ausgabe der „Butterblumen-Rundschau” erwerben. Im Zeitschriftenständer entdeckte ich jedoch eine andere Postille, auf deren Titelblatt Grausiges zu sehen war:

Es zeigte eine junge Dame, die – Sie werden es nicht glauben! – von der Halskrause bis unter den Bauchnabel unbekleidet war! Die Brüste (insgesamt zwei Stück) waren von ballonartiger Form und wurden von zipfelmützenförmigen, leuchtendroten Nippeln gekrönt.

negro nipple cunt
Solche Hefte sind an deutschen Tankstellen erhältlich!

Sie können sich vorstellen, dass der selbstgerechte Zorn umgehend Besitz von mir ergriff. Meinen stets mitgeführten Zeigestock hatte ich längst hervorgezogen, um das Schmähheft in tausend Stücke zu zerfetzen. Aus meinem Mund kamen unverständliche Worte und zähflüssige Batzen … Ich konnte mich nicht beruhigen und schlug zusätzlich Bierdosen sowie Gurkengläser von den Regalen. Irre Farbenspiele tanzten vor meinen Augen und ich registrierte noch, wie die Verkäuferin zum Telefon rannte.

Der Lümmel, der mich draußen ausgelacht hatte, hielt mich plötzlich fest und trotz aller Gegenwehr kam ich nicht aus seiner Umklammerung frei. An die darauf folgenden Stunden kann ich mich nur verschwommen erinnern. Die Polizei kam, wohl um den jungen Mann und die Verkäuferin zu verhaften, nahm aber irrtümlicherweise mich mit.

So landete ich unschuldig im Zuchthaus! Zum Glück sind Zuchthäuser gar nicht so schlimm, wie ich annahm. Es sah dort wie in einem Krankenhaus aus, nur dass die Fenster vergittert und die Wände mit Gummipolstern versehen waren. Die Wärter trugen weiße Kittel, der Gefängnisdirektor überdies ein Stethoskop um den Hals. Ich bekam regelmäßig Vitaminspritzen und schlief die meiste Zeit über. Der Direktor wollte oft wissen, ob ich gelegentlich mit Hauswänden spreche oder Stimmen aus dem Weltraum höre.

Jedenfalls war irgendwann von einem Gutachten die Rede, das positiv für mich ausgefallen sei. Vermutlich hatte die Polizei herausgefunden, welch grausiges Lichtbild mich in Rage versetzt hatte. Ich wurde freigelassen und am Gefängnistor von meinen Freunden Frau Gudrun und Karl-August Bromme in Empfang genommen. Die beiden meinten, ich solle mich nicht über das erlittene Unrecht aufregen: sie selbst hätten auch schon mehrfach in diesem Zuchthaus gesessen.

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